Osterprojekt 2015


Osterprojekt 2015

Dieses Projekt fand in Kooperation mit dem Knabenchor Unser Lieben Frauen, sowie dem Chor IntoNation der Hochschule Bremen statt!

Programm:

G. Mahler: Sinfonie Nr. 3 d-Moll

Solistin: Anna Maria Torkel - Mezzosopran
Dirigent: Stefan Geiger
Einstudierung Knabenchor Unser Lieben Frauen: Ansgar Müller-Nanninga
Einstudierung Chor IntoNation: Julio Fernández & Mikolaj Kapala

Konzerte:
Fr., 10.04.2015 - 19.00 Uhr - Uwe-Brauns-Halle Hambergen
Sa., 11.04.2015 - 20.00 Uhr - Die Glocke Bremen, Großer Saal
So., 12.04.2015 - 16.00 Uhr - Gutsscheune Varrel


Zum Programm

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 3
*Heimweh und Brüche – Die Musik Gustav Mahlers
„Wie fremd und einsam komm ich mir vor! Mein ganzes Leben ist ein großes Heimweh.“ Die Heimatlosigkeit, sein „Sehnen über die Dinge der Welt hinaus“, der tief empfundene, schmerzlich durchlebte und in Musik komponierte Bruch zwischen künstlerischer und weltlicher Realität lassen Gustav Mahler als einen Seelenverwandten Franz Schuberts erscheinen. Seine 1. Symphonie enthält einen Trauermarsch, der schildert, wie die Tiere des Waldes den toten Jäger zu Grabe tragen. Diese Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit der Welt ungeschönt in Musik zu setzen, blieb bis zuletzt Gustav Mahlers großes Thema. „Die Sinfonie muss wie die Welt sein. Sie muss alles umfassen“, schrieb er einmal. Und die Welt hatte mehr aufzuweisen, als der akademische Formalismus lehrte. Konsequent und naserümpfender Kritiker zum Trotz schöpfte er seine musikalischen Gestalten aus allen Bereichen des Lebens: Volks- und Blasmusik, triviale Lieder, Naturlaute und Kuhglocken fanden gleichberechtigt neben tradierten Formen Eingang in seinen sinfonischen Kosmos. Tradition um ihrer selbst Willen war Mahler ein Gräuel. Als „Schlamperei“ bezeichnete er sie sogar, als „Synonym für Gedankenlosigkeit und für fehlenden künstlerischen Impuls“ und lehrte als Direktor der Wiener Hofoper seinem Mitarbeiterstab in diesem Punkt das Fürchten.
Kunst und Leben bildeten für Gustav Mahler eine nicht zu trennende Einheit. Seine Sinfonien sind als Spiegel der Welt durch und durch widersprüchlich. Sie entstanden in einer Epoche, in der die ersten politisch-gesellschaftlichen Wetterleuchten signalisierten, dass die „gute alte Zeit“ und besonders das „gute alte Wien“ ein Trugbild waren. Die Musik dieser Zeit schien sich in den abstrakten Formalismus einer vermeintlich stimmigen Welt zu flüchten, die Mahler nicht nachvollziehen konnte.
In seiner inneren und äußeren persönlichen Existenz durchlebte Gustav Mahler große Erschütterungen. Mit seinem Spätwerk schließlich, dem Lied von der Erde, der Neunten Sinfonie und den Entwürfen zur Zehnten, konfrontiert Mahler die Musikwelt mit diesen Erschütterungen. Und das in einer Eindringlichkeit, Unmittelbarkeit und Schonungslosigkeit, wie sie in dieser Zeit noch nicht zu hören gewesen waren. Er markiert damit gleichzeitig das Ende der großen Symphonie nach Beethoven. Dass Mahler damit keine Lorbeeren ernten würde, war ihm durchaus bewusst. Aber die Authentizität seiner Musik hat viele tief beeindruckt und tut es noch heute. Thomas Mann schrieb über ihn, dass er nur von einem Menschen wisse, „in dem sich, wie ich zu erkennen glaube, der ernsteste und heiligste künstlerische Wille unserer Zeit verkörpert“. Mahlers Bemerkung, dass er „menschlich jede, künstlerisch gar keine Konzessionen“ zu machen bereit ist, belegt diese Haltung. Auch Theodor W. Adorno hat die Erscheinung Mahler treffend charakterisiert, als er 1960 in seiner berühmten Monographie schrieb: „Mahler war wie kein anderer Komponist seiner Zeit empfindlich für kollektive Erschütterungen. Die Versuchung, die daraus aufstieg: Das Kollektiv, das er durch sich hindurch tönen fühlte, unmittelbar zum Absoluten zu erhöhen und zu glorifizieren, war fast übermächtig. Dass er ihr nicht widerstand, ist sein Frevel.“

Die Welt als Ganzes - Mahlers 3. Symphonie
Die 3. Symphonie zeitigt eine Opulenz, die es bis dahin – Mahler vollendet das Werk 1896 - in der sinfonischen Musik nicht gegeben hat. Kein Wunder, schwebte es ihm bei dieser Symphonie doch vor, nichts weniger als der Welt in ihrer Ganzheit, als gegenständlich und geistig träumerische Realität ein musikalisches Abbild zu geben. Die Vorstellung, sich „in ihr eigenstes Wesen hineinzuversetzen“, selber zum Instrument zu werden, „auf dem das Universum spielt“, leitete Mahler zu einer völlig neuen Konzeption sinfonischen Komponierens. Eine Konzeption, die all das Widersprüchliche der Welt, dem schon in den ersten beiden Symphonien Ausdruck verliehen worden war, bewusst in die Ganzheit der Welt einbindet. Der Begriff der „Evolutions-Symphonie“ verband sich sehr schnell mit Mahlers „Dritter“ und versinnbildlicht damit ihre stufenmäßige Entwicklung, die sich in nicht weniger als sechs Sätzen vollzieht: ausgehend von dumpfen, starren Naturgewalten, über die Blumen, die Tiere, die Bewusstwerdung durch den Menschen, die Liebe und schließlich Gott. Mahler versah die einzelnen Sätze zunächst mit Titeln, die er jedoch später tilgen ließ, damit der Hörer seinen Assoziationen freien Raum lassen kann, nicht nach Beschreibungen sucht, sondern der eigenen Sprache der Musik folgt. Der Komponist wird mit seiner Musik so zum Medium für einen eigenen Schöpfungsmythos.

Erste Abteilung (Satz 1)
1. Satz: Pan erwacht – Der Sommer marschiert ein. Mit fast 40 Minuten sprengt allein dieser Satz in seiner Ausdehnung alles bisher Dagewesene. Er bildet eine eigene „Erste Abteilung“. Allein die Länge des Satzes selbst hat, wie Adorno es einmal ausdrückte, etwas „schreckhaft-ungeheuerliches“ und setzt eine Entwicklung in Gang, dessen Ziel kaum abzusehen scheint. Herb und ungeschliffen erwachen die Naturgewalten. Musikalisch assoziieren Märsche einerseits das Starre der Urnatur, andererseits verleihen sie dem Hörer einen Status des distanzierten Beobachters. Der Sonatenform entlehnt, gliedert sich der Satz in drei Teile. Hermann Danuser hat die Teile beschrieben als:
- die Realität (Exposition) – linear logisches Fortschreiten vom Sein zum Werden (ein „Weckruf“ zu Beginn, linear schreitende, verschiedenartige Märsche...)
- Traum (Durchführung) – die Märsche werden wie eine Collage auseinander- und wieder zusammengeschnitten, verschieben so (auf sich durchaus befremdend anhörende Weise) Zeit- und Raumerfahrung.
- Synthese (Reprise): unüberhörbar eingeleitet durch einen Trommelrhythmus, der das Durcheinander ordnet, gleichsam in die logische Realität zurückholt und die Märsche zu einer pathetischen Zusammen- und Ankunft vereint.

Zweite Abteilung (Sätze 2-6)
2. Satz: Was mir die Blumen auf der Wiese erzählen. Das von nun an in Mahlers Titelskizzen auftauchende „mir“ verweist einmal mehr auf die Verinnerlichung, auf den Versuch, die Welt nicht nur zu betrachten, sondern sich selbst in das „eigenste Wesen“ der Welt hinein zu versetzen. Nach der kantig autoritären Marschmusik des 1. Satzes kontrastiert der 2. Satz mit einer Sprache des bürgerlichen Salons. Freilich, bei einer harmlosen Blumenidylle bleibt es nicht. Zerrissenheit und Widersprüche prägen auch diesen Satz, den Mahler selbst einmal den „Unbekümmertsten, den er je geschrieben hat“, nannte: „ Wie ein Sturmwind fährt es über die Wiese und schüttelt Blätter und Blüten, die auf ihren Stängeln ächzen und wimmern, wie um Erlösung flehend, in ein höheres Reich“.

3. Satz: Was mir die Tiere im Wald erzählen. Wieder führt Mahler einen neuen musikalischen Sprachduktus ein: Es ist die Musik des Volkes, oder, wie Dieter Schnebel es einmal ausdrückte: „Arme-Leute-Musik“. Der Dialekt von Blaskapellen, Tanzböden und Drehorgeln wurde bei der Wiener Aufführung von 1904 als dermaßen empörend empfunden, das ein Kritiker dem Komponisten „ein paar Jahre Gefängnis“ dafür wünschte. Grundlage ist das Wunderhorn-Lied „Ablösung im Sommer“, das vom Kuckuck handelt, der „sich zu Tode gefallen“ hat und nun der Nachtigall das Feld überlässt. Auch diese irdische Sphäre bleibt nicht ungebrochen: Mit zwei fernen Posthornsoli leuchtet – geradezu störend – eine andere Dimension in den Satz hinein, die als ferne Ankündigung der Bewusstwerdung durch den Menschen gesehen werden kann. Sie paraphrasiert das alpenländische Wiegen(!)lied „Aber heidschi bumbeidschi“.

4. Satz: Was mir der Mensch erzählt. „O Mensch! Gibt acht“: Mit diesen Worten Nietzsches erhebt der Mensch buchstäblich seine Stimme. Musikalisches Material aus dem 1. Satz aufnehmend, formt er gleichsam das, aus dem er herausgewachsen ist, nach eigener Art und Weise. Wieder ändert sich der Tonfall: Die Bewegung der Solostimme in kleinen Tonschritten lässt zuweilen eine kirchenmusikalische Sphäre durchscheinen…

5. Satz: Was mir die Engel erzählen. Attacca sich an den 4. Satz anschließend, setzt Mahler dem hohen Kunstverstand einen unbekümmerten Reigen von Kinderliedern entgegen, gesungen von den hohen Stimmen eines Knaben- und eines Frauenchores sowie der Alt-Solistin.

6. Satz: Was mir die Liebe erzählt. Die Symphonie endet mit einem langsamen Satz! Wieder rein instrumental, knüpft das Finale an den 1. Satz an: „Was dort dumpf und starr, ist hier zum höchsten Bewusstsein gediehen, die unartikulierten Laute zur höchsten Artikulation geworden“ schreibt Mahler. Die heterogenen Elemente des Eingangssatzes, die verschiedenen musikalischen Sprachgestalten der folgenden Sätze werden versöhnt: „Alles darf sich äußern, über alles kann gesprochen werden“ (Dieter Schnebel); es ist die Liebe, die alle Elemente in einem gemeinsamen „quellend pulsierenden Klangstrom“ höchster Erfüllung aufnimmt. In seiner handschriftlichen Partitur überschrieb Gustav Mahler diesen Satz mit einem Zitat aus „Des Knaben Wunderhorn“: „Vater, sieh an die Wunden mein! Kein Wesen laß verloren sein.“

Text: Dr. Ulrich Matyl


Anna Maria Torkel - Mezzosopran

wurde in Bremen geboren. Bereits mit sechs Jahren erhielt sie Geigenunterricht,  2002 ihre ersten Gesangsstunden.
Seit 2009 studiert die Mezzosopranistin an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT)  Hamburg Gesang, zunächst bei Frau Prof. Yvi Jänicke und seit Oktober 2010 bei Herrn Prof. Geert Smits. Zuvor studierte sie Mathematik und Musik auf Lehramt in ihrer Heimatstadt Bremen und schloss dieses mit dem ersten Staatsexamen ab. 
Während ihres Studiums in Bremen und im Laufe des Studiums an der HfMT Hamburg wirkte die junge Sängerin in verschieden Projekten mit, unter Anderem in Mozarts „Die Zauberflöte“ an der Hochschule für Künste Bremen, in der Inszenierung des internationalen Opernstudios der Hamburgischen Staatsoper und 2011 in der Produktion „Cendrillon“ von Pauline Viardot des jungen Forums der HfMT Hamburg, welche als Gastspiel auch an der Kieler Oper zu sehen war. In der Spielzeit 2011/2012
gastierte Anna – Maria Torkel in Kiel an der Oper als 3. Dame der Zauberflöte Mozarts. 
Neben dem klassischen Repertoire widmet sich Anna – Maria Torkel der zeitgenössischen Musik. Unter Anderem arbeitet sie eng mit der Komponistin Rucsandra Popescu zusammen. 2004 spielte sie in der Uraufführung den Pinocchio in der gleichnamigen Kinderoper im Bremer Konzerthaus „Die Glocke“ und sang im Oktober 2011 die Solopartie ihres uraufgeführten Oratoriums im St. Petri Dom Bremen. 


Knabenchor Unser Lieben Frauen Bremen

Über 65 Jahre ist er alt, der Knabenchor Unser Lieben Frauen Bremen. Gegründet wurde er 1945 von Harald Wolff.
Die regelmäßigen Vespern, Konzerte sowie Auftritte im In- und Ausland haben den Chor über die Grenzen der Hansestadt hinaus bekannt gemacht. Seit Herbst 1993 leitet Ansgar Müller-Nanninga den Knabenchor.
Etwa sechsmal im Jahr treten die Jungen in der „Vesper des Knabenchores“ in der Kirche Unser Lieben Frauen auf. Dazu kommen jährlich zwei intensive Probenwochenenden, eine Sommerfreizeit, Konzertreisen durch ganz Deutschland und ins europäische Ausland, TV- und CD-Produktionen, Konzerte, wie das Mozart-Requiem, Händels Messias, die Johannes-Passion und das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach und vieles andere, was Spaß macht und anderen eine Freude ist.


IntoNation - Chor der Hochschule Bremen

Der 2014 gegründete Chor der Hochschule Bremen arbeitet mit einem vollkommen neuen Chorkonzept. Nach dem Motto „Life Long Singing“ ist der Chor IntoNation offen für alle Sängerinnen und Sänger mit Freude am Singen. IntoNation verfolgt vor allem das Anliegen, Sängerinnen und Sängern aus aller Welt die Möglichkeit zu geben, einmal in der Woche mit anderen Musikbegeisterten Chorwerke zu erarbeiten und mit Konzerten, die auf hohem künstlerischem Niveau unterhaltsam sind, die Kulturarbeit an der Hochschule öffentlich zu präsentieren. Für die Projekte des Chores ist eine enge Kooperation mit den anderen Kulturbereichen der Hochschule, wie z.B. der Theaterwerkstatt und dem Landes-jugendorchester Bremen sowie der HfK Bremen vereinbart.IntoNation engagiert sich darüber hinaus in der sozialen Arbeit und arbeitet dabei im Projekt ThinkMusic! vor allem mit Kindern zusammen, die aus unterschiedlichen Gründen Benachteiligung erfahren. Das Projekt ermöglicht diesen Kindern, Chorkultur kennenzulernen und dabei Schlüsselkompetenzen zu entwickeln. Die Weiterbildung Chorgesang bietet eine in der deutschen Hochschullandschaft einmalige studienbegleitende Weiterbildung im chorischen Bereich an mit dem Ziel, begabte Studierende neben ihrem Hauptstudiengang im Bereich des Chorsingens zu qualifizieren und ihnen dadurch die Mitwirkung in (semi-)professionellen Chören zu ermöglichen. Die Studierenden profitieren für ihr Studium durch die Vermittlung von Kreativität, sozial-emotionaler Kompetenz und Persönlichkeitsbildung. IntoNation erfährt durch die Mitwirkung der Weiterbildungsteilnehmer eine Steigerung seiner musikalischen Qualität, die das Publikum der öffentlichen Konzerte erlebt.


(C) 2011 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken