Jugendorchester

von Gerd Klingeberg

Eine Totenmesse als Sommerkonzert, präsentiert von Jugendlichen, von denen die meisten noch im Teenageralter sind: eine gewiss ungewöhnliche Idee. Doch schon nach wenigen Anfangstakten in der Kirche Unser Lieben Frauen hatte sich mögliche Skepsis an dieser Konstellation in Wohlgefallen aufgelöst. Selten hat man Mozarts „Re­quiem“ derart energiegeladen, aber gleichwohl mit einem dem Text angemessenen Tiefgang gehört.


Welch ein gewaltiger, zupackend markanter Einsatz der beiden Danziger Chöre, des Kammerchors „441 herz“ und des Musikschul-Jugendchors „Cantilena“, etwa beim Introitus. Oder welch beängstigend expressive Schilderung der Höllenqualen beim „Confutatis maledictis“, gefolgt vom größtmöglich kontrastierenden, überaus flehentlichen „Voca me“, gesungen von jungen Frauenstimmen mit geradezu überirdisch filigraner Zartheit. Dabei hatte man beim „Kyrie“ noch kurzzeitig befürchtet, dass es angesichts des von Dirigent Stefan Geiger vorgelegten, stark forcierten Tempos Abstriche geben könnte bei der intonatorischen Qualität.
Doch weit gefehlt: Leichtkehlig gesungene Koloraturen und präzise Einsätze sorgten für ein stets transparentes Klangbild. Das Landesjugendorchester Bremen zeigte sich seiner anspruchsvollen Aufgabe ebenfalls jederzeit gewachsen. Die jungen Musikerinnen und Musiker reagierten verzögerungsfrei auf jede dirigentische Vorgabe mit differenzierter Umsetzung und imponierten mit profimäßig sicherer Spieltechnik und großer Ausgewogenheit aller Stimmgruppen.
Das bestens harmonierende Solistenquartett (Sopran: Pia Salome Bohnert, Alt: Anna-Maria Torkel, Tenor: Juan Sebastián Hurtado-Ramírez, Bass: Ronaldo Steiner) verlieh der durchweg packenden Aufführung zusätzliche suggestive Klangnuancen. Die unmittelbare Einstimmung auf das gleichermaßen düstere wie innige Spätwerk Mozarts durch die ausdrucksvollen Harmonien der „3 Stücke im alten Stil“ für Streicher, 1963 komponiert von Henryk Górecki, erwies sich zudem als optimale Abrundung eines begeistert bejubelten Konzerts in Unser Lieben Frauen.