Musiknoten statt Banknoten

Von Peter Otto

Osterholz-Scharmbeck. Das Landesjugendorchester Bremen hat im Foyer der Kreissparkassen-Hauptstelle an der Bahnhofstraße einen klangvollen Auftritt hingelegt. Die Zuhörer erlebten ein Konzert mit melodischen Feinheiten und dramatischen Passagen.


Das Landesjugendorchester und der bulgarische Pianist Julian Dorus spielten unter der Leitung von Stefan Geiger Klassik im Foyer des Kreissparkasse Osterholz.

Zum ersten Mal gab das Landesjugendorchester Bremen (LJO) am Sonnabend ein Konzert in der Hauptniederlassung der Kreissparkasse Osterholz. Auf dem Programm standen Werke von Peter Tschaikowsky und Johannes Brahms. Solist war der bulgarische Pianist Julian Gorus. Sparkassenvorstand Ulrich Messerschmidt begrüßte die knapp 200 Gäste in der veränderten Schalterhalle. Er nannte das Konzert ein „Sommer-Highlight“, denn das 1971 gegründete Orchester vereinige die besten jungen Musiker aus Bremen und Umgebung in seinen Reihen.
Seit 1996 leitet Stefan Geiger das 60 Musiker umfassende Orchester. Geiger bedankte sich für die Einladung und erzählte, dass das Orchester gerade von einem Bulgarien-Besuch zurück sei. Ende Dezember würden die Musiker mit dem Abendprogramm nach China reisen und dort unter anderem in Peking und Shanghai Konzerte geben. Das Landesjugendorchester Bremen eröffnete den Abend mit dem Klavierkonzert Nr. 1 in g-Moll, das Peter Tschaikowsky 1875 komponiert hat und seitdem zum ständigen Repertoire der Pianisten gehört. Julian Gorus bestach am Flügel durch sein versiertes Spiel mit perfekten Läufen und angemessener Dynamik. Er kostete die dramatischen Passagen genüsslich aus und erzählte in den Kadenzen musikalische Geschichten voller Anmut und Ausdruckskraft. Samtweich musizierten die Streicher, sie wurden ergänzt durch einen warmen Holzbläserklang, wohltuend fügten sich die Blechbläser ein. Dies kam besonders im zweiten Satz zum Tragen, in dem Tschaikowsky ein lyrisches Chanson „Man muss sich amüsieren, tanzen und lachen“ verwandt hat. Im rondoartigen Schlusssatz hat der Komponist einen ukrainischen Volkstanz verarbeitet. Auch hier hat Geiger mit dem Orchester die melodischen Feinheiten kunstvoll herausgearbeitet. „Die schönsten Lieder kamen mir, wenn ich früh vor Tag meine Stiefel wichste“, bekannte Johannes Brahms einmal, so ist überliefert. Diese Melodien verwandte er dann oft als Themen in seinen Sinfonien.
Seine erste, 1876 komponierte Sinfonie hat vier Sätze. In ihr scheint Brahms einen seelischen Kampf mit sich selbst auszutragen. Der erste Satz ist ein Aufbegehren aus dem Urgrund der Seele. Dabei steigerte sich der Klangkörper des LJO zu einem gefühlt eruptiven musikalischen Ereignis. Diese Gefühlswallung wird in der Folge durch romantisch-pastorale Klänge und ein leicht beschwingtes Poco Allegro beruhigt. Das Bremer Orchester reagierte exakt auf das präzise Dirigat. Stefan Geiger hat die Instrumentengruppen zu einer sachlichen Grundhaltung erzogen. Die Musiker spielen frisch, aber konzentriert. Sie hören aufeinander und harmonieren miteinander. So geriet die romantische Dynamik niemals zu einem schwulstigen Brei. Und das gewaltige vierteilige Finale der ersten Brahms-Sinfonie entlässt den Zuhörer wohltuend geläutert. Den stürmischen Applaus belohnten die Musiker mit einem bulgarischen Volkstanz, den sie im Gepäck von ihrer Konzertreise mitgebracht hatten.